Pan de Maiz aus dem Dutch Oven

Pan de Maiz aus dem Dutch Oven

„Das ist kein Brot. Das ist Kuchen.“ Dietbert schaute vorwurfsvoll, während er sich Pan de Maiz abschnitt. „Kuchen zum Mittagsessen. Das ist falsch. Genauso falsch wie Langsamfahren auf der Autobahn.“ Dietbert gelang es, gleichzeitig empört zu klingen und sein Stück etwas größer zu bemessen.

Dabei hatten wir Dietbert gar nicht zum Mittagessen eingeladen. Er war gekommen, um uns sein neues Spielzeug vorzuführen: Den Magic Cube. Einen etwa fünf Zentimeter großen Würfel, mit der Dietbert seine Marinier-Drohne steuern konnte. „Siehste, und wenn ich ihn schüttele, wird die Sauce schärfer. Wenn ich ihn hochwerfe, kommt das Sprühprogramm. Und wenn ich ihn erst nach Links- und dann nach Rechts drehe, bohrt sie sich ins Fleisch. Alles mache ich aus Deinem Garten, während die Drohne bei mir mariniert.“

Dann aber hatte er gesehen, dass ich am Dutch Oven hantierte, sich Teller und Besteck aus der Küche genommen, und sich mit an den Tisch gesetzt. „Was gibt es?“

Einladung zum Essen

„Cornbread“, sagte ich. Beziehungsweise heute „Pan de Maiz“. Soll ja mexikanisches Maisbrot darstellen. „Mexiko!, rief er aus. Arriba!“, Dietbert hob den Arm, machte eine Art halbe Flamenco-Drehung. Und setzte sich „Aber warum?“

„Kulinarische Weltreise. Du weißt. Der Blogevent von Volkermampft. Diesen Monat geht es um Brot und Brötchen. Da dachte ich „Cornbread aus den USA.“ Aber falls ich die Deadline reiße, kann ich das Cornbead in Pan de Maiz umtaufen und vorgeben, dass ich das Maisbrot für Mexiko geplant hätte.

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Mexiko - die besten Rezepte und Gerichte

Die nächsten Monate wird es schwieriger: Es geht in den Kongo (Juli) und Grönland (August – WTF; rohes Robbenfleisch, oder wie?).“

„Kartoffeln wären in Mexiko auch gegangen, oder?“, fragt er nach. „Kartoffeln auch.“, bestätigte ich. „Die sind wie Mais ein einheimisches Gewächs aus Mexiko. Also zumindest so ungefäh – aus der Entfernung eines Ozeans von Berlin aus gesehen.“

Das omnivorische Dilemma

Aber Mais ist spannender: Mais ist auf dem Cover eines der lebensprägendsten Bücher, die ich las: „The Omnivores Dilemma“ (dt: Das Omnivoren-Dilemma) zum Thema, wie Lebensmittel-Industrie funktioniert. Mais ist nicht nur auf dem Cover, sondern durchzieht das ganze Buch zum Thema „Wie essen Menschen eigentlich im 21. Jahrhundert.“

Es ist ein Buch, das die ganze Diskussion um Lebensmittel geprägt hat. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Grundlehren aus dem Buch immer weitere Kreise ziehen und durch die Gesellschaft diffundieren. Er hat vieles Spannendes zu sagen. Gerade zu Mais.

Eine der Erkenntnisse: Zumindest in den USA bestehen viele Lebensmittel am Ende aus Mais mit Mais. Die Pflanze ist so versatil, dass sie sich zu allem verarbeiten lässt: von Tierfutter, zu Süßstoff, zu wesentlichen Bestandteilen der Chicken Nuggets, zu Fleischersatz, zu Salatdressing. Ebenso zu Biogas und Kraftstoff, mit dem die Traktoren angetrieben werden können. Mais wird zu allem verarbeitet. Pollan lästert über den „Mais auf zwei Beinen“, der die USA bevölkert. Weltweit wird mehr Mais angebaut, als Reis oder als Weizen und Kartoffeln zusammen.

Mais und Mensch

Mais und Mensch gehören lange zusammen. Die ältesten Spuren der Domestizierung sind fast 9000 Jahre alt und stammen aus Xihuatoxtla in Südmexiko. Eine Pflanze, die sich ohne menschliche Hilfe nicht fortpflanzen kann und seit 9000 Jahren existiert. Das nenne ich eine enge menschlich-pflanzliche Beziehung.

Da finde ich es rebellisch, Mais in einer Form zu essen, in der erkennbar ist, dass es sich um Mais handelt. In der Brotform hat er für mich mehr mit einem Lebensmittel zu schaffen, als in der Chemiebaukasten-Grundlage, in der er meistens auf den Teller kommt.

„Aber das ist kein Brot! Das ist Kuchen! Kuchen gehört nicht zum Mittagessen“, Dietbert blieb empört. Und er hatte nicht Unrecht. Die fluffige, mit (Rüben-)Zucker gesüßte Masse erinnerte in Konsistenz und Geschmack schon stark an Kuchen.

Oder an das, was Deutsche unter Kuchen verstehen. In anderen Kulturen gilt er als Brot. Und da wir bei der Kulinarischen Weltreise sind, gilt die Definition, die dem Schreiber am besten passt.

Weißer Mais

Wobei ich zugeben muss, dass Zucker im Teig mir amerikanisch zu sein scheint. Mexiko isst ja eh eher Tortillas oder Tacos oder Burritos aus ungesüßtem Maismehl. Andererseits erinnere ich mich an meinen Mexiko-City-Aufenthalt. Das fühlte sich alles ähnlich an wie die USA. Nur halt auf Spanisch.

Wobei die Amerikaner auch lange das Maisbrot nicht süß aßen. Auch in den USA gibt es die empörte „Das-ist-kein-Brot-das-ist-Kuchen!“-Fraktion.

Wie ich jetzt am Dutch Oven lernte, scheidet das Thema die Bevölkerungsgruppen. Weiße Amerikaner essen tendenziell ungesüßtes Cornbread, Schwarze essen tendenziell gesüßtes Cornbread. Und laut dem Charlotte Observer ist die Industrialisierung schuld:

Historisch wurde Maismehl aus weißem Mais gewonnen, der selber aromatischer und süßer war als gelber Mais. Aber: Die ersten industriellen Maismühlen konnten gelben, früh geernteten Mais besser verarbeiten. Dieser war noch nicht voll ausgereift, hatte weniger Aroma.

Schwarze hatten weniger Geld als Weiße, kauften wesentlich häufiger preiswertere industrielle Ware aus frühreif geernetem Mais und werteten diese geschmacklich mit Zucker aus. Weiße konnten sich das bessere Mehl aus handwerklich verarbeitetem reifen Mais leisten und hatte künstliche Nachhilfe nicht nötig.

Weiß, Gelb, Rot, Lila, viele Farben

Dietbert fragte: „Und Mexiko?“

Ich: „In Mexiko waren solche Unterscheidungen nicht nötig. Angesichts all‘ der Maissorten, die es in dem Land gibt. Es ist schon spannend, wie sich ein Nahrungsmittel uniformiert, sobald es seine Herkunftsregion verlässt.“

„Ehrlich gesagt weiß ich deutlich mehr über Mais in den USA als in Mexiko.“

Madame wendete ein, dass das ja nicht schlimm sei. Immerhin würde ich den Maiskuchen ja für den Brotmonat backen. Nicht für Mexiko. Sie fragte nach: „Was machst Du für Mexiko?“

Mole natürlich! Die legendäre mexikanische Sauce. Die wollte ich schon immer mal machen und habe jetzt einen Grund. Schokolade und Chilli und Rosinen und all‘ die anderen Gewürze klingt nach einem Geschenk des Himmels. Dank‘ der kulinarischen Haiti-Expedition habe ich auch noch Chilis im Hause. Und ganz ausnahmsweise besitze ich sogar ein passendes Länder-Kochbuch.“

Madame hat dieses noch nie gesehen.

„Die Tomatillas sind schuld. Gefühlt sind diese in jedem zweiten Rezept enthalten. Und ich habe keine brauchbare Quelle in Deutschland gefunden. Geschmacklich am nächsten sollen Physalis kommen. Aber die kann ich mir als wesentliche Zutat nicht leisten. Zumal wenn ich in Slowcooker-Dimensionen koche.“

„Nein, für den Mexiko-Monat werde ich eine schöne Mole machen: mit Chillis, Schokolade, Mandeln, Erdnüssen, Zimt, Anis, Kreuzkümmel, Pfeffer, Nelken, Wein, Knoblauch, Zweibeln und Zucker.“ Vielleicht schmuggel ich ein Pan de Maiz dazu. Süß-scharf ist eine von mir geschätzte Kombination.

Wenn es mit dem Timing nicht aufgeht, muss ich mir einen Grund ausdenken, warum Mole typisch grönländisch ist. Rohe Robbe mit Mole. Das wird ein Fest.

Rezept Pan de Maiz

„Nun verrat erstmal wie Du das Maisbrot machst.“

Es ist ganz einfach und total unkompliziert:

Zutaten

  • 50 Gramm Zucker
  • ½ Packung Backpulver
  • 100 Gramm Weizenmehl
  • 300 Gramm Maismehl
  • 1 Ei
  • 400 ml Milch

Zubereitung

Butter im Dutch Oven schmelzen und die Wände mit der geschmolzenen Butter einpinseln.

Dutch Oven vorheizen und Briketts unter – und vor allem auf – dem Oven verteilen.

Trockene Zutaten (Mehle, Zucker, Backpulver) verrühren. In anderem Gefäß feuchte Zutaten (Ei, Milch) verrühren. Beides zusammenbringen.

Deckel des Dutch Ovens vorsichtig abheben und Teigmasse in den Oven füllen.

Etwa 25 Minuten im Dutch Oven lassen. Stäbchenbrote ist ratsam, aber aufgrund der Heiße-Briketts-auf-Deckel-Konstruktion etwas aufwendiger als normal.

Essen.

Cumbia

Dietbert hatte sich versöhnt. Er war zwischenzeitlich der Meinung, dass Maisbrot doch zu herzhaftem Essen funktioniert. Vor Freude tanzte er einen kleinen Flamenco.

Leider ließ sich Dietbert beim Flamenco nicht filmen. Deshalb zum Abschluss eine mexikanische Cumbia, getanzt in New York.

Man beachte, wie sich beim ersten Paar die Gesichtszüge während des Tanzes immer weiter entspannend, um zum Ende hin fast bei einem Lächeln anzukommen.

Madame schlug vor, wir könnten mal wieder Cumbia tanzen gehen. Ich wendete ein, „Wir können gar keine Cumbia tanzen.“ – Sie: „Das ist eine Aufgabe, kein Hindernis.“

Die anderen Weltreisenden:

Sonja von fluffig & hart mit Enchilada Suizas
Sonja von fluffig & hart mit Red Enchilada Sauce
Silke von Rezepte-Silkeswelt mit Black Bean Burger
Wilma von Pane-Bistecca mit Margarita! – Wer hat ihn erfunden?
Wilma von Pane-Bistecca mit Schwarze Bohnen und Rindfleisch Tacos
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Hähnchen in Erdnuss-Mole
Britta von Brittas Kochbuch mit Rückkehr nach Mexiko – Eine kleine Zusammenfassung
Britta von Brittas Kochbuch mit Crema de Elote 2.0 – Maiscrèmesuppe mit Popcorn
Britta von Brittas Kochbuch mit Brochetas de Pollo vegano – vegane Hähnchenspieße
Britta von Brittas Kochbuch mit Ensalada de Aguacate, Tomate y Elote – Avocado-Tomaten-Mais-Salat
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Mexikanischer grüner Reis
Wilma von Pane-Bistecca mit Huehnerfleisch Tacos mit Limetten Saure Sahne Sauce
Simone von zimtkringel mit Mole de Querétaro
Regina von bistroglobal mit Garnelencocktail auf mexikanische Art
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Chorizo mexicano casero und Sopa seca de fideos
Wilma von Pane-Bistecca mit Chinesisch angehauchte Huehnerbrust Tacos
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Frittierte und gefüllte Pambacitos – Pambacitos fritos y rellenos
Wilma von Pane-Bistecca mit Rindfleisch Tacos in Tomatensauce
Ute von wiesengenuss mit https://kraeuterportraits.blogspot.com/2015/08/tomatillo-salsa-mit-frischem-koriander.html
Sonja von fluffig & hart mit Churros aus dem Waffeleisen
Ute von wiesengenuss mit Salsa verde mit rauchichen Pimientos, gelben Tomaten und Koriander

11 thoughts on “Pan de Maiz aus dem Dutch Oven

  1. In deinem schlauen Buch stand auch bestimmt, dass „corn syrup“ so ungefähr in alles und zu allem hinzugefügt wird. Ich war ziemlich sprachlos als ich in USA mal wahllos diverse Zutatenlisten von Lebensmitteln durchgegangen bin. Ich fand kaum eines, dass nicht corn syrup enthielt.

    Wie dem auch sei, klingt sehr spannend, wie ihr das Brot/den Kuchen verspeist habt.

  2. Das nenne ich mal einen durchdachten Plan, fast schon Bond-Schurken-würdig: Das Brotrezept wird flott zum mexikanischen Rezept der Wahl. Ich verneige mich in Hochachtung! (..und bin wegen der folgenden Monatsthemen jetzt nicht nur im Zweifel, was ich selbst basteln soll, sondern auch extrem gespannt, wie das robbentechnisch hier weiter laufen wird.)

  3. Brot, ob suess oder nicht, ist halt in jedem Land anders. Hier in Asien lieben sie weiches, suesses, Weissbrot das nach Watte schmeckt. Da ist mir dein Maisbrot viel lieber, das schmeckt nach etwas! Schoen ist es geworden.

    LG Wilma

  4. Ich kann mich Madame nur anschließen und sagen, dass Cumbia wahnsinnig viel Spaß macht und vor allem für tanzfaule Männer die Möglichkeit bietet, die Schritte auf ein Minimum zu reduzieren. Allerdings hat man in der richtigen Geschwindigkeit auch nicht wirklich soviel mehr Zeit für mehr Schritte.

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